Direkt zum Inhalt

Brief an die Aktionäre

Uwe Fröhlich und Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzende der DZ BANK

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir blicken auf ein besonderes Geschäftsjahr zurück. Mit einem Vorsteuerergebnis in Höhe von 3,1 Milliarden Euro erzielte die DZ BANK Gruppe das beste Ergebnis ihrer Unternehmensgeschichte.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gaben uns dabei in Teilen Rückenwind: Die Wirtschaft konnte sich im vergangenen Jahr erholen und einen großen Teil der Wachstumseinbußen aus dem ersten Corona-Jahr 2020 aufholen. Parallel dazu entwickelten sich die Kapitalmärkte sehr günstig – insbesondere die Aktienmärkte. Zudem blieb die befürchtete Insolvenzwelle bei den Unternehmen weiterhin aus und die geplante Risikovorsorge musste demzufolge kaum in Anspruch genommen werden.

Doch jenseits aller Sonderfaktoren gründet das Rekordergebnis in erster Linie auf unserem Geschäftsmodell und der engen Zusammenarbeit in der genossenschaftlichen FinanzGruppe.

„Gemeinsam schaffen wir es zunehmend, das Ertragspotenzial, das unserem Geschäftsmodell innewohnt, noch besser zu heben.“

Gemeinsam schaffen wir es zunehmend, das Ertragspotenzial, das unserem Geschäftsmodell innewohnt, noch besser zu heben. Das übersetzt sich auch in diesem Jahr in ein erfolgreiches operatives Geschäft in allen Einheiten der DZ BANK Gruppe. So erzielte die Union Investment begünstigt durch die Marktentwicklungen neben einem deutlichen Volumenwachstum auch einen Zuwachs bei den Performance-abhängigen Ertragskomponenten. Die R+V konnte die verdienten Beiträge aus dem Versicherungsgeschäft weiter steigern und dank einer klugen Absicherungsstrategie die außergewöhnlich hohen Belastungen aus der Flutkatastrophe an Rhein und Ahr im vergangenen Jahr gut verarbeiten. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall schaffte in diesem Jahr dank starkem Neugeschäft mit einem dreistelligen Ergebnis die Trendwende. Das Bankgeschäft innerhalb der DZ BANK Gruppe verlief ebenfalls positiv: Die DZ HYP sowie die TeamBank entwickelten sich stabil auf einem guten Niveau. Die DZ BANK – Verbund und Geschäftsbank baute das Kundengeschäft im Kapitalmarkt- und Firmenkundengeschäft sowie im Transaction Banking weiter aus. Erfreulich entwickelte sich insbesondere die Zusammenarbeit mit den Bestandskunden im Firmenkundengeschäft: Die Erträge in der Exportfinanzierung stiegen um 24 Prozent und im Cross Selling um elf Prozent. Zudem wurde das Geschäftsportfolio der DVB Bank weiter deutlich zurückgeführt; damit kann die Integration des verbleibenden Portfolios in die DZ BANK planmäßig im Sommer 2022 erfolgen.

Die wesentlichen Ergebnisse im Einzelnen:

Der Zinsüberschuss der DZ BANK Gruppe blieb mit 2,79 Milliarden Euro leicht oberhalb des Niveaus des Vorjahres (2020: 2,69 Milliarden Euro). Die Verbund- und Geschäftsbank konnte ihren Zinsüberschuss dank guter Geschäftsentwicklung steigern. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall stabilisierte ihr Zinsergebnis, das zuletzt noch rückläufig war. Die DVB Bank verbuchte dagegen bedingt durch den kontinuierlichen Portfoliorückbau einen Rückgang. Der Provisionsüberschuss ist deutlich auf 2,94 Milliarden Euro (2020: 2,12 Milliarden Euro) gestiegen. Maßgeblich hierfür war die sehr erfreuliche Geschäftsentwicklung bei der Union Investment. Auch die Verbund- und Geschäftsbank trug zu dem Anstieg bei. Das Handelsergebnis verzeichnete trotz gutem Kapitalmarktgeschäft bei der Verbund- und Geschäftsbank einen Rückgang auf 152 Millionen Euro (2020: 693 Millionen Euro). Maßgeblich hierfür waren IFRS-bedingte Bewertungseffekte der Eigenemissionen. Das Ergebnis aus Finanzanlagen verzeichnete einen Zuwachs auf 245 Millionen Euro (2020: 166 Millionen Euro). Zu dem Anstieg trugen insbesondere Verkäufe von Direktbeteiligungen bei. Das Sonstige Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten erhöhte sich auf 242 Millionen Euro (2020: minus 62 Millionen Euro). Ursächlich hierfür waren positive Bewertungseffekte bei der DVB Bank sowie positive Veränderungen der bewerteten Garantieversprechen bei der Union Investment. Infolge der guten operativen Entwicklung sowie der Erholung am Kapitalmarkt stieg das Ergebnis aus dem Versicherungsgeschäft trotz hoher Flut- und Unwetterschäden auf 842 Millionen Euro (2020: 347 Millionen Euro). Nach erhöhtem Zuführungsbedarf im Zuge der COVID-19 Pandemie im vergangenen Jahr führte die konjunkturelle Erholung insbesondere bei der Verbund- und Geschäftsbank sowie der DVB Bank zu Nettoauflösungen bei der Risikovorsorge in Gesamthöhe von 120 Millionen Euro (2020: Zuführung in Höhe von 678 Millionen Euro). In den mit 4,27 Milliarden Euro leicht gestiegenen Verwaltungsaufwendungen (2020: 4,04 Milliarden Euro) sind neben höheren Beiträgen zur Bankenabgabe und zur Sicherungseinrichtung des BVR auch Aufwendungen aufgrund der erstmaligen Konsolidierung der ZBI Gruppe innerhalb der Union Investment verarbeitet.

Die Leistungsbereitschaft und Flexibilität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die sehr gute Geschäftsentwicklung der DZ BANK Gruppe in diesem Jahr möglich gemacht. Dafür sprechen wir ihnen unseren herzlichen Dank und unsere Anerkennung aus.

Die Kapitalausstattung der DZ BANK Gruppe entwickelte sich 2021 dank des umsichtigen Managements der Risikoaktiva sowie der Thesaurierung von Gewinnen auf gutem Niveau stabil. Die harte Kernkapitalquote lag zum 31.12.2021 bei 15,3 Prozent (31.12.2020: 15,3 Prozent); die Leverage Ratio belief sich auf 7,3 Prozent (2020: 5,7 Prozent).

Wir freuen uns, unsere Eigentümer an dem diesjährigen Rekordergebnis angemessen beteiligen zu können. Vor dem Hintergrund der sehr guten Geschäftsentwicklung und unter Berücksichtigung der Erfordernisse eines sorgsamen Kapitalmanagements schlagen wir der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende auf 20 Cent je Aktie vor.

Aufgrund des Krieges in der Ukraine und den damit verbundenen Sanktionen dürfte die für das Frühjahr erwartete wirtschaftliche Erholung merklich schwächer ausfallen als bislang angenommen – trotz der gut gefüllten Auftragsbücher bei den deutschen Unternehmen. Für das laufende Jahr rechnen unsere Volkswirte mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,9 Prozent. Angesichts der geopolitischen Krise bleiben auch deutlich gestiegene Preise für Energie und Rohstoffe sowie weitere Lieferengpässe Unsicherheitsfaktoren im neuen Geschäftsjahr. Erste Zinsschritte zur Bekämpfung der anhaltend hohen Inflation können die Märkte zudem zusätzlich unter Druck versetzen. Als Kapitalsammelstelle ist die DZ BANK Gruppe diesen Risiken in besonderer Weise ausgesetzt und kann daher eine gewisse Ergebnisvolatilität aufweisen. Im operativen Geschäft sehen wir zum Jahresauftakt hingegen einen ungebrochen hohen Kundenzuspruch. Diese positive Entwicklung ist auch Ausdruck unserer Aufstellung innerhalb der genossenschaftlichen FinanzGruppe, des Vertrauens unserer Kunden und der Verankerung in der Region. Daher waren wir optimistisch und haben mit einem Ergebnis am oberen Ende unserer nachhaltigen Ergebnisspanne von 1,5 bis 2 Milliarden Euro vor Steuern gerechnet. Die geopolitischen Rahmenbedingungen erhöhen jedoch die Unsicherheit von Prognosen deutlich.

„Über das unmittelbare Geschäftsergebnis hinaus behalten wir auch den langfristigen Erfolg im Blick und treiben unsere strategischen Ziele konsequent voran.“

Über das unmittelbare Geschäftsergebnis hinaus behalten wir auch den langfristigen Erfolg im Blick und treiben unsere strategischen Ziele konsequent voran. In den großen Branchenthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung sehen wir für uns das Potenzial, neue Kunden und Märkte gewinnbringend zu erschließen. Dafür sind wir hervorragend aufgestellt. Beim Thema Nachhaltigkeit etwa sind wir wichtiger strategischer Partner der Realwirtschaft. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren weitreichende Schritte unternommen und es als Querschnittsthema in allen Geschäftsbereichen, Prozessen und in jedem Kundengespräch verankert. Die Früchte dieser Arbeit sehen wir in unseren Zahlen: Die Zusammenarbeit mit unseren Kunden bei der Transformationsbegleitung intensiviert sich und das Geschäft mit ESG-Bezug wächst kontinuierlich. Im Kapitalmarktgeschäft etwa verdoppelte die DZ BANK das begleitete Transaktionsvolumen bei nachhaltigen Emissionen. Im Fondsgeschäft nimmt die Union Investment mit 125,6 Milliarden Euro nachhaltiger Assets under Management eine führende Position im Markt ein.

Die konsequente Digitalisierung bestehender Geschäftsmodelle und Prozesse bildet die Grundlage für unsere weitere Entwicklung. Im Kerngeschäft der DZ BANK haben wir dazu den gesamten Kreditprozess neu strukturiert und in Teilen automatisiert. Mit dem Firmenkunden-Portal „DZ Banking“ ist nach zwei Jahren ein wichtiger Baustein der Digitalisierungsinitiative des BVR live gegangen. Im Transaction Banking bündeln wir Ressourcen und Dienstleistungen für den Zahlungsverkehr in einer zentralen Plattform. Zudem arbeiten wir konzernweit daran, unsere Services und Angebote stärker in die Wertschöpfungsketten der Realwirtschaft zu integrieren und so neue Kunden zu erreichen. Exemplarisch dafür steht neben der Weiterentwicklung des digitalen Ökosystems „Bauen & Wohnen“ der Bausparkasse Schwäbisch Hall der strategische Zukauf der Vertriebsplattform FinCompare, mit dem wir in weiteres Wachstum bei der Mittelstandsfinanzierung investieren.

Gleichzeitig entwickeln wir die Einsatzmöglichkeiten der Schlüsseltechnologien von morgen weiter. Neben der „Blockchainisierung“ von Prozessen, Produkten und Vermögenswerten beschäftige uns die Digitalisierung der Wertschöpfungsketten an unterschiedlichen Stellen: Im Kapitalmarkt leisten wir mit Pilotprojekten wie finledger und den Smart Derivative Contracts Pionierarbeit bei der automatisierten Abwicklung von Transaktionen über die Blockchain. Darüber hinaus arbeiten wir an zukunftsweisenden Bezahlmodellen für den Einsatz im Internet der Dinge („Pay-per-Use“) und dem Ausbau der Instant Payment-Infrastruktur („Request-to-Pay“). Eng begleiten wir zudem die Aktivitäten zur Ausgestaltung des Digitalen Euro. Diese und weitere Initiativen bilden die Grundlage unseres zukünftigen Wachstums.

Wir haben das Potenzial, das Vertrauen unserer Kunden und die strategischen Antworten, um den Erfolg von morgen zu gestalten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Fröhlich
Co-Vorstandsvorsitzender
 
Dr. Cornelius Riese
Co-Vorstandsvorsitzender